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Restless-Legs-Syndrom – was gegen unruhige Beine hilft

Von: Moritz Jaax
Aktualisiert am 28.04.2022

Wenn Ihnen ein starker Bewegungsdrang in den Beinen den Schlaf erschwert, leiden Sie vermutlich unter dem Restless-Legs-Syndrom. Medikamente können die Beschwerden lindern – in manchen Fällen hilft es aber auch, einen Eisenmangel auszugleichen.

Bis zu zehn Prozent der Menschen leiden unter einem nächtlichen Bewegungsdrang in den Beinen, den Fachleute Restless-Legs-Syndrom nennen. Allerdings fällt dieses Syndrom der unruhigen Beine unterschiedlich stark aus. Bei manchen Betroffenen zeigen sich die Symptome nur alle paar Wochen und beeinflussen den Schlaf und die Gesundheit kaum. In anderen Fällen stören die sie jede Nacht den Schlaf und werden mit der Zeit immer schlimmer [1],[2].

Lesen Sie in diesem Artikel, wie Sie das Restless-Legs-Syndrom erkennen, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Inhalt
  1. Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
  2. Was sind die Symptome des Restless-Legs-Syndroms?
  3. Wie wird das Restless-Legs-Syndrom behandelt?
  4. Restless-Legs-Syndrom – Auf einen Blick
  5. Quellen

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Das Syndrom der unruhigen Beine ist besser unter seinem englischen Namen bekannt: Restless-Legs-Syndrom (RLS). Wie der Name schon erahnen lässt, äußert sich das Syndrom vor allem durch einen starken Bewegungsdrang in den Beinen, vor allem nachts.

Gut zu wissen: Laut einer Studienanalyse verspüren 40 Prozent oder mehr der Menschen mit Restless-Legs-Syndrom nur selten und eher milde Beschwerden. Zwischen 50 und 60 Prozent der Betroffenen hatten mindestens einmal die Woche Symptome, rund 20 Prozent litten täglich oder beinahe täglich unter den unruhigen Beinen [2].

Wissenschaftler*innen erforschen derzeit noch, was bei dem Syndrom genau im Körper passiert. Vermutlich kommt es zu Problemen bei der Übertragung von Signalen im Nervensystem – ganz konkret bei der Übermittlung des Botenstoffs Dopamin. Das Restless-Legs-Syndrom gilt deshalb als neurologische Bewegungsstörung.

Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Allerdings sind die meisten Betroffenen älter als 40 Jahre und die Beschwerden verschlimmern sich häufig im Alter. Oft tritt das Restless-Legs-Syndrom auch schon relativ früh in einer leichten Form auf und wird erst im höheren Alter zum Problem [2].

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Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist aber, dass die genetische Veranlagung eine Rolle spielt: Haben Sie bereits Fälle des Restless-Legs-Syndroms in Ihrer Familie, ist das Risiko größer, dass Sie ebenfalls erkranken.

Das Restless-Legs-Syndrom ist sehr vom Tagesrhythmus abhängig – einige Forschende vermuten deshalb, dass das Schlafhormon Melatonin eine Rolle spielen könnte [3].

Es gibt noch einige weitere Erkrankungen und Faktoren, die ein Restless-Legs-Syndrom wahrscheinlicher machen. Dazu gehören [4], [5]:

  • Eisenmangel
  • Nierenschwäche
  • Neurologische Erkrankungen wie Parkinson
  • Bestimmte Medikamente (z.B. gegen Depression)

Für einige andere Krankheiten ist es noch nicht klar, ob sie das Risiko für das Restless-Legs-Syndrom erhöhen, weil die Studienergebnisse bislang nicht eindeutig waren – zum Beispiel:

  • Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion
  • rheumatische Erkrankungen
  • Diabetes mellitus

Ein Schwerpunkt der Forschung ist außerdem, ob das Restless-Legs-Syndrom das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnte. Einige Ergebnisse weisen auf mögliche Zusammenhänge hin [2], [6], [7].

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Unruhige Beine in der Schwangerschaft

Eine weitere häufige Ursache für das Restless-Legs-Syndrom ist die Schwangerschaft. Die gute Nachricht: Bei den meisten Frauen verschwinden die Beschwerden nach der Schwangerschaft wieder. Einige Forschende vermuten auch, dass die unruhigen Beine während der Schwangerschaft vor allem mit einem möglichen Eisenmangel zusammenhängen – von welchem Schwangere ebenfalls häufig betroffen sind [5].

Was sind die Symptome des Restless-Legs-Syndroms?

Betroffene verspüren bei RLS einen starken Drang ihre Beine zu bewegen, vor allem wenn sie sich in Ruhe befinden.

Außerdem treten Missempfindungen auf: Es kribbelt in den Beinen, manchmal schmerzt oder zieht es auch. Wenn Sie aufstehen und sich bewegen, sind die Beschwerden in der Regel weg – kehren dann aber schnell zurück, wenn Sie wieder im Bett liegen. Seltener kommen diese Symptome auch in den Armen vor.

Der Bewegungsdrang und das Ziehen in den Beinen treten meist nachts auf, was das Einschlafen und Durchschlafen erheblich erschwert. Menschen mit RLS leiden deswegen häufig unter Schlafproblemen und sind tagsüber müde und erschöpft. In schweren Fällen können die Schlafstörungen auch zu Depressionen und Angsterkrankungen führen [3].

Die unruhigen Beine können auch tagsüber zum Problem werden. Vor allem wenn Betroffene schon länger unter dem Restless-Legs-Syndrom leiden, können die Beschwerden auch auftreten, wenn Sie sich am Tag in Ruhe befinden – zum Beispiel, wenn sie länger sitzen, wie im Auto oder Flugzeug, in einem Meeting oder im Restaurant [8].

Das Restless-Legs-Syndrom ist in der Regel an sich nicht gefährlich. Stört es aber dauerhaft den Schlaf, kann das unter anderem Ihr Risiko für Bluthochdruck und psychische Krankheiten erhöhen. Wenn Sie unter den Symptomen leiden, lohnt sich ein Arztbesuch. Ärzt*innen werten für die Diagnose unter anderem Nieren-, Eisen- und Schilddrüsenwerte aus und führen neurologische Untersuchungen durch. So schließen sie mögliche Begleiterkrankungen aus.

Wie wird das Restless-Legs-Syndrom behandelt?

Wie sich das Restless-Legs-Syndrom therapieren lässt, hängt davon ab, wie häufig und schwerwiegend die Symptome sind und ob eine klare Ursache gefunden wird. Liegt den unruhigen Beinen eine Krankheit oder ein Eisenmangel zugrunde, können diese Probleme oft behoben werden – und mit ihnen das Restless-Legs-Syndrom.

Wenn bestimmte Medikamente verantwortlich sind, kann es helfen, das Arzneimittel in Absprache mit Ihrem*Ihrer Ärzt*in zu wechseln. Aber Achtung: Setzen Sie wichtige Medikamente wie Antidepressive nicht ohne ärztliche Rückspräche ab!

Gibt es keinen eindeutigen Auslöser, können Ärzt*innen meist nur die Symptome mit Medikamenten behandeln.

Tipp: Wenn Sie wegen eines Restless-Legs-Syndroms oder aus anderen Gründen schlecht schlafen, kann sich ein professionelles Schlafcoaching lohnen.

Eisenmangel entgegenwirken

Ist ein Eisenmangel für das Restless-Legs-Syndrom verantwortlich, können sich die Beschwerden bessern, wenn Sie Ihre Eisenwerte wieder in den grünen Bereich bringen. Bei einem Mangel empfiehlt es sich in der Regel Eisenpräparate einzunehmen: Ärzte-Leitlinien empfehlen Eisen zu supplementieren, wenn der sogenannte Ferritin-Wert im Blut niedriger als 50 Nanogramm pro Milliliter Blut ist. Langfristig kann Ihnen auch eine Ernährungsumstellung helfen, wieder genug Eisen zu sich zu nehmen [1], [9].

Es gab sogar Studien, in denen Eisen-Injektionen gegen die Beschwerden der unruhigen Beine halfen, obwohl die Probanden schon normale Eisenwerte hatten [10].

Medikamente gegen das Restless-Legs-Syndrom

Besteht keine klare Ursache, die behoben werden kann, ist das Restless-Legs-Syndrom in der Regel nicht heilbar. Therapien können dann aber die Beschwerden lindern.

Ärzte verordnen bei mittelschwerem oder schwerem Restless-Legs-Syndrom in der Regel Medikamente mit Dopamin-ähnlicher Wirkung, die sonst gegen Parkinson oder Epilepsie eingesetzt werden. Die Mittel beheben die Beschwerden bei vielen Betroffenen – manchmal kommt es jedoch als Nebenwirkung zur sogenannten Augmentation, bei der die Unruhe-Symptome früher am Tag auftreten und sich auch auf die Arme ausweiten können [1].

Gut zu wissen: Es kann vorkommen, dass bestimmte Medikamente bei Ihnen nicht anschlagen oder die Symptome des Restless-Legs-Syndroms sogar verschlimmern. Eine solche Verschlimmerung durch Medikamente nennen Fachleute auch Augmentation. Die Beschwerden treten dann oft schon tagsüber auf. Sprechen Sie in einem solchen Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – es ist vermutlich sinnvoll, das Medikament zu wechseln [4].

Was kann ich selbst gegen das Restless-Legs-Syndrom tun?

Studien zeigen, dass auch ein gesunder Lebensstil sich bis zu einem gewissen Grad auf das Restless-Legs-Syndrom auswirken kann. Hier einige Tipps, die Ihnen dabei helfen können, gegen die Beschwerden vorzugehen [5], [11]:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig – medizinische Expert*innen empfehlen mindestens dreimal die Woche 30 Minuten körperliche Aktivität.
  • Trinken Sie genug (mindestens zwei Liter am Tag).
  • Dehnen Sie die Beine vor dem Schlafengehen oder machen Sie regelmäßig Gymnastikübungen.
  • Versuchen Sie es mit Wärme oder Kälte, zum Beispiel Fußbädern, kalt duschen oder Wechselduschen.

Außerdem lohnt es sich, generell eine gute Schlafhygiene zu pflegen. Dann ist es weniger wahrscheinlich, dass die unruhigen Beine bei Ihnen Schlafstörungen auslösen. Konkrete Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel zum besser schlafen.

Restless-Legs-Syndrom – Auf einen Blick

Das Restless-Legs-Syndrom betrifft bis zu zehn Prozent der Menschen, tritt aber sehr unterschiedlich stark auf.

Als Symptome verspüren Betroffene in Ruhe einen Bewegungsdrang in den Beinen, die dann nachts oft unkontrolliert zucken. Manchmal kommt es auch zu Missempfinden in den Beinen, wie Kribbeln, Schmerzen und Ziehen.

Die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt, aber man kennt Faktoren, die das Risiko des Syndroms erhöhen. Dazu gehören Eisenmangel, Nierenschwäche und Schwangerschaft.

Medikamente können die unruhigen Beine in einigen Fällen lindern. Oft hilft es auch, einen vorliegenden Eisenmangel auszugleichen, zum Beispiel mit Eisenpräparaten.

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), „S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf“, Somnologie - Schlafforschung Schlafmed., Bd. 13, Nr. S1, S. 1–160, Nov. 2009, doi: 10.1007/s11818-009-0430-8.

[2] M. M. Ohayon, R. O’Hara, und M. V. Vitiello, „Epidemiology of Restless Legs Syndrome: A Synthesis of the Literature“, Sleep Med. Rev., Bd. 16, Nr. 4, S. 283–295, Aug. 2012, doi: 10.1016/j.smrv.2011.05.002.

[3] S. Guo u. a., „Restless Legs Syndrome: From Pathophysiology to Clinical Diagnosis and Management“, Front. Aging Neurosci., Bd. 9, Juni 2017, doi: 10.3389/fnagi.2017.00171.

[4] Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V., „S1-Leitlinie Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD)“, Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V., 2012. https://dgn.org/leitlinien/ll-06-2012-restless-legs-syndrom-rls-und-periodic-limb-movement-disorder-plmd/ (zugegriffen Okt. 20, 2020).

[5] P. W. Tipton und Z. K. Wszołek, „Restless legs syndrome and nocturnal leg cramps: a review and guide to diagnosis and treatment“, Pol. Arch. Intern. Med., Bd. 127, Nr. 12, S. 865–872, 22 2017, doi: 10.20452/pamw.4148.

[6] C. Trenkwalder, R. Allen, B. Högl, W. Paulus, und J. Winkelmann, „Restless legs syndrome associated with major diseases: A systematic review and new concept“, Neurology, Bd. 86, Nr. 14, S. 1336–1343, Apr. 2016, doi: 10.1212/WNL.0000000000002542.

[7] D. J. Gottlieb, V. Somers, N. Punjabi, und J. W. Winkelman, „Restless legs syndrome and cardiovascular disease: A research roadmap“, Sleep Med., Bd. 31, S. 10–17, März 2017, doi: 10.1016/j.sleep.2016.08.008.

[8] W. Hening, A. S. Walters, R. P. Allen, J. Montplaisir, A. Myers, und L. Ferini-Strambi, „Impact, diagnosis and treatment of restless legs syndrome (RLS) in a primary care population: the REST (RLS epidemiology, symptoms, and treatment) primary care study“, Sleep Med., Bd. 5, Nr. 3, S. 237–246, Mai 2004, doi: 10.1016/j.sleep.2004.03.006.

[9] L. M. Trotti, S. Bhadriraju, und L. A. Becker, „Iron for restless legs syndrome“, Cochrane Database Syst. Rev., Bd. 5, S. CD007834, Mai 2012, doi: 10.1002/14651858.CD007834.pub2.

[10] Cochrane Deutschland, „Eisen für die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms“. https://www.cochrane.org/de/CD007834/MOVEMENT_eisen-fur-die-behandlung-des-restless-legs-syndroms (zugegriffen Okt. 22, 2020).

[11] Kassenärztliche Bundesvereinigung, „Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine)“, Mai 27, 2020. https://www.kbv.de/html/3671.php (zugegriffen Okt. 20, 2020).

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